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Wallfahren

Pilgern und Wallfahren:
Eine Begriffsbestimmung

Das Wort Pilgern leitet sich vom Lateinischen ab. Geht man der Herkunft des Wortes nach, dann findet man:


peregrinus f├╝r fremd, ausl├Ąndisch, nicht sesshaft
peregrina,-ae f├╝r Fremde/r, Nichtb├╝rger/in
peregrinare,-o durchwandern
peregrinari,-or in der Fremde weilen, sich als Fremdling aufhalten
peregrinaria ist fern weilen von
peregrinatio ist Aufenthalt im Ausland, Wanderung
peregreals Adverb ist im Ausland, in der Fremde

Gegen Ende der V├Âlkerwanderungszeit bekommt peregrinari, preregrinatio auch die Bedeutung von Wallfahren und Pilgern.

Im Italienischen wandelt sich das Wort zu pelegrinare, im Englischen zu pilgrim und im Deutschen zu pilgern.

Die Wurzeln des Wortes Wallfahren reichen ebenfalls sehr weit zur├╝ck.

Mittelhochdeutsch hei├čt es wallen,
althochdeutsch wallon,
altenglisch weallian
und bedeutet urspr├╝nglich wandern, umherschweifen,
reisen, von Ort zu Ort ziehen.

Im 13. Jahrhundert wird vallevart meist im Sinne von Pilgern benutzt.

Im 16. Jahrhundert wird wallfahren gebraucht, weil die Fortbewegung nun auch mittels Schiff und Kutsche erfolgen kann. Hier nimmt das Wort Wallfahren vollends die Bedeutung von Pilgern an.

(Sinngem├Ą├č entnommen aus den Internetseiten des Jakobuspilgers Maximilian Bogner aus Rosenheim unter Spiritualit├Ąt des Pilgerns).

In der freien Enzyklop├Ądie Wikipedia findet man f├╝r Pilger und Wallfahrer die folgende Erl├Ąuterung:

Pilger stammt vom lateinischen Wort peregrinus ab, was Fremdling bedeutet.

Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religi├Âsen Gr├╝nden in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fu├č oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels.

Der Anlass kann eine auferlegte Bu├če sein und das Bem├╝hen, einen S├╝ndenablass zu erhalten, die Erf├╝llung eines Gel├╝bdes, die Hoffnung auf Gebetserh├Ârung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religi├Âse Vertiefung oder Abstattung von Dank.

Ziel ist meist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.

Wer mehr dar├╝ber nachlesen m├Âchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel. Dort werden unter anderem auch noch die folgenden Themenkreise behandelt:

Wallfahrtsorte der Antike
Christliche Pilger in Sp├Ątantike und Mittelalter
Pilger und Reformation
Pilger der Neuzeit

Das Thema Wallfahrten beginnt in Wikipedia sinngem├Ą├č mit folgender Einleitung / Definition:

Ganz allgemein ist eine Wallfahrt (lat. peregrinatio religiosa, von wallen, in eine bestimmte Richtung ziehen, fahren unterwegs sein) ist eine traditionelle Reise zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerst├Ątte mit religi├Âser Bedeutung oder um ein heiliges Gebot zu erf├╝llen. Sie wird auch als Pilgerreise, Pilgerfahrt, Betfahrt und im Islam als Hadsch oder Ziaret bezeichnet.

Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie geht zur├╝ck auf den alten Glauben, dass die ├╝bernat├╝rlichen M├Ąchte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten.

Eine Wallfahrt war und ist immer auch ein soziales Ereignis, sie f├╝hrt zu Begegnungen und Austausch zwischen Gl├Ąubigen, die sich sonst vielleicht nie getroffen h├Ątten.

Wer mehr dar├╝ber nachlesen m├Âchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel. Dort werden unter anderem auch noch die folgenden Themenkreise behandelt:

Pilgerfeste des Judentums
Wallfahrtsbr├Ąuche im Christentum
Wallfahrten im Islam
Wallfahrten in anderen Religionen

Interessant ist auch die Feststellung:

Auch auf den s├Ąkularen Bereich hat sich der religi├Âse Begriff ausgedehnt. So spricht man in der Presse davon, dass beispielsweise Fans von Elvis Presley zur and├Ąchtigen Besichtigung seines Hauses Graceland in Memphis (Tennessee, USA) wallfahren.

Unter Pilgerweg findet man in Wikipedia folgende Erkl├Ąrung:

Ein Pilgerweg ist die Reisestrecke, die Pilger auf einer Wallfahrt zur├╝cklegen, um an das Ziel – meist ein heiliger Ort – zu gelangen.

Alle gro├čen Religionen der Welt kennen Pilgerwege und Pilgerorte.

Diese Orte k├Ânnen Ortschaften sein, wie Jerusalem, Rom, Santiago, Lourdes, Einsiedeln, aber auch bestimmte Punkte einer Landschaft wie ein Berg, eine Quelle, ein Brunnen, eine H├Âhle oder ein Heiligtum.

Auf dem Weg gibt es Stationen des Innehaltens, an denen Gebete gesprochen oder Gottesdienste gefeiert werden k├Ânnen.

Wer mehr dar├╝ber nachlesen m├Âchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel.

Sich auf den Weg machen

Auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsorte im nordwestdeutschen Raum findet sich ein sehr guter Einstieg in das Thema Wallfahren, bestens geeignet f├╝r alle Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Wallfahrt mitzumachen oder zu organisieren, und diesbez├╝glich noch nach Argumenten, Anregungen und Informationen suchen.


Wer sich auf den Weg macht – Gedanken zur Wallfahrt

Das Thema Wallfahrt ist zeitlos: so alt wie die Erlebnisse des Volkes Israel in der W├╝ste – und so aktuell wie die Gef├╝hle Jugendlicher, die nach mehrt├Ągigem Fu├čweg vor einem unscheinbaren Gnadenbild stehen. Wallfahrer denken ├╝ber ihr Leben nach, sie bitten und danken, schweigen Pilger aus Neuwerk bei einer Besinnung unterhalb der Genovevah├Âhle und erz├Ąhlen, beten und singen. Sie suchen Gottes Melodie in ihrem Leben – und begeben damit sich selbst auf die Spur, und das ist immer ein kleines Abenteuer. So etwas gibt es nicht im Reiseb├╝ro. Wer sich auf den Weg macht, lebt f├╝r einen Tag oder eine Woche bewusster. Und kehrt ver├Ąndert nach Hause zur├╝ck.

Zu Fu├č unterwegs

Der klassische Wallfahrer benutzt seine F├╝├če. Er setzt sich Sonne und Regen aus, bevorzugt abgelegene Wege und kommt doch um die verkehrsreichsten Stra├čen nicht herum. Er ist unterwegs in einer Gruppe Gleichgesinnter – in der Gemeinschaft st├╝tzt man sich gegenseitig und kommt miteinander ans Ziel. Darin ist die Wallfahrt ein Bild der Kirche: Wir sind nicht allein. Wir sind miteinander auf dem Weg. Diese Erfahrung macht Mut.

Erbsensuppe statt Drei-G├Ąnge-Menu

Wallfahrer theoretisieren nicht. Sie tun etwas Konkretes. Dazu geh├Âren fr├╝hes Aufstehen, mancher Verzicht auf Annehmlichkeiten und oft Blasen an den F├╝├čen. Ich werde mitgenommen, oder ich nehme andere mit – das ist Anlass genug, damit geht es los. Zu einem Ort, unspektakul├Ąr, abseits der selbsternannten Zentren. Zu einer Erfahrung von Religion, wie wir sie nur noch selten erleben: zum Greifen nah. Wer mitmacht, erlebt: Der andere betet auch so wie ich. Mehr noch, er sp├╝rt: Kirche, das bin ich. Gott, das ist f├╝r niemanden eine einfache Formel. Beten, das hat mit Spontaneit├Ąt und Phantasie zu tun.

Jede Wallfahrt ist eine Demonstration

Wer vom Stra├čenrand zuschaut, sp├╝rt: Da widersetzen sich Menschen dem Strom. Die lassen sich den Glauben etwas wert sein. Sie tragen ein Kreuz bei sich, keine Parolen. Wallfahrtsorte laden ein zu Besinnung und Gebet, zur Erfahrung von lebendiger Kirche und zu der Hoffnung, dass wir am Ende unseres Lebensweges tats├Ąchlich „nach Hause kommen“. Es gibt sie, diese Orte und Oasen, an denen Gott den Menschen besonders nahe ist. Wundert es Sie, dass dies auch die Menschen, die sich dorthin miteinander auf dem Weg machen, ver├Ąndert?

Der n├Ąchste Wallfahrtsort ist n├Ąher, als man denkt

Wer pilgert, reist mit leichtem Gep├Ąck. Und auch eine sorgf├Ąltig vorbereitete und durchgef├╝hrte Tagesfahrt kann ein gro├čes Erlebnis sein. Ob Rom oder ein hiesiger Wallfahrtsort, ist weniger eine Frage des Geldes. Es gilt zu entscheiden, was mir pers├Ânlich m├Âglich ist. F├╝r die Planung ist wichtig: Wieviel Zeit wollen Sie sich nehmen? Handelt es sich um j├╝ngere oder ├Ąltere Menschen? Reisen Sie mit dem Zug, per Bus oder mit dem Auto – oder eben zu Fu├č? Alle Religionen haben ihre Wallfahrtsorte, an denen man dem g├Âttlichen Bereich begegnet, angefangen im Erlebnis unseres Vaters Jakob mit dem Traum der Himmelsleiter. Und er stellt fest: So nah war mit Gott, und ich wusste es nicht. So haben wir noch heute Jerusalem oder Santiago de Compostela, unsere Marienwallfahrtsorte, die Wallfahrtsorte zum Hl. Kreuz oder zu den Heiligen.

Wer singt, betet doppelt

F├╝r die Vorbereitung gilt: Sie k├Ânnen alles selber machen, zum Beispiel Lieder und Texte aussuchen oder den Gottesdienst vorbereiten, m├╝ssen aber nicht. Ein einfaches Beispiel: Sie legen die Route sorgf├Ąltig fest und planen drei oder vier „Unterbrechungen“ ein. Zeit f├╝r ein selbstformuliertes Gebet, ein gemeinsames Lied oder die Betrachtung eines Wegekreuzes. Die Wallfahrtsleitung vor Ort gibt Ihnen gerne ausf├╝hrliche Informationen und Hilfen. Hier melden Sie auch Ihre Gruppe an, erfahren die M├Âglichkeiten zur Mitfeier der Gottesdienste, der Betreuung vor Ort und der ├ťbernachtung.

Stillwerden, staunen, hinh├Âren

Haben Sie den Mut zu improvisieren. Wunder geschehen, wo Menschen zusammen beten, schweigen und miteinander ins Gespr├Ąch kommen. Das l├Ąsst sich nicht exakt vorher planen. In den Beichtkapellen geschehen noch heute t├Ąglich Wunder. Denken Sie bei der Kostengestaltung auch an Jugendliche, kinderreiche Familien und Minderbemittelte.

Bleibt noch eine letzte Frage: Ist eine Wallfahrt Urlaub?
Antwort: F├╝r die Seele JA.


Die obenstehenden Gedanken zur Wallfahrt wurden den Internetseiten Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsorte im nordwestdeutschen Raum entnommen.

Der Vorsitzende dieser Arbeitsgemeinschaft ist Monsignore Dr. Egon Mielenbrink, Verfasser des Buches Beten mit den F├╝├čen.
Zu diesem Buch erschien von Bernhard Eckerstorfer OSB in der Rubrik lesenswerte B├╝cher eine Buchbesprechung, in der er sich unter anderem auch mit dem h├Ąufigsten Einwand gegen Wallfahrten besch├Ąftigt.

Bernhard Eckerstorfer schreibt hierzu:

Der h├Ąufigste Einwand gegen Wallfahrten lautet, dass Gott doch nicht nur auf einigen H├╝geln wohnt und beileibe nicht unsere Schinderei braucht, um uns nahe zu sein. Tats├Ąchlich ist Gott im Alltag kein anderer und nicht mehr versteckt als in einer Wallfahrtskirche. Dieses Buch hat mir aber erneut bewusst gemacht, dass wir auf einer Wallfahrt oft andere sind, dass wir im Unterwegssein offener werden und so manches an einem von Gebeten gepr├Ągten Ort anders sehen und verstehen. Wenn wir bewusst auf Gott hin unterwegs sind, werden wir andere. Da gen├╝gt es eben nicht immer, nur in Gedanken bei ihm zu sein; Gott will uns mit Haut und Haaren, und Wallfahrten k├Ânnen uns helfen, dass wir mit Leib und Seele auf Ihn zusteuern.

Vielleicht ist dieses „ganzheitliche“ Verst├Ąndnis vom Menschen auch der Grund, warum heute Jugendliche und der Kirche Fernstehende gerade durch Wallfahrten das Christentum und die Kirche in neuer Strahlkraft und mit neuem Geschmack erleben d├╝rfen. So kann nicht selten die Wallfahrt zum Aufbruch in ein neues Glaubensleben werden.

Gedanken zur Wallfahrt (nach Trier)

Gedanken zur Wallfahrt unseres ehemaligen Pilgerpfarrers Hubert Wachendorf OSB aus Trier:


Die in den langen Jahrhunderten gewachsene Wallfahrt ist auch heute noch sehr lebendig. J├Ąhrlich kommen in ├╝ber 140 Gruppen Pilger aller Generationen nach St. Matthias, wobei die meisten mindestens drei bis vier Tage bis Trier unterwegs sind. Viele gehen den Weg auch zu Fu├č nach Hause zur├╝ck. Da kommen leicht bis zu 300 Km und mehr zusammen.

Ein Teil dieser Gruppen kann auf eine Jahrhunderte alte Tradition zur├╝ckblicken, ungef├Ąhr ein Drittel davon ist in den letzten Jahren neu entstanden. Die Pilger kommen zum ├╝berwiegenden Teil aus den Bist├╝mern K├Âln, Aachen und Trier. Die meisten kommen aus der Umgebung von M├Ânchengladbach, Neuss und Krefeld.

Andere stammen aus dem Raum Aachen, J├╝lich, K├Âln, Bonn und der Eifel. Pfarreien aus der n├Ąheren Umgebung von Trier kennen eine Tradition von Tages- oder Nachtwallfahrten. Jede Wallfahrt hat ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Tradition. Das gilt nicht nur f├╝r die Bruderschaften, die seit Jahrhunderten den Weg nach Trier gehen.

Der gr├Â├čte Teil der Gruppen erreicht St. Matthias in den beiden Wochen vor oder nach Pfingsten. Diese Hauptwallfahrtszeit, die sich um das Fest der Wahl des Apostels (Samstag nach Christi Himmelfahrt) gruppiert, findet im Herbst eine kleine Fortsetzung.

Lebensweg als Glaubensweg

Das Interesse an der Pilgerbewegung ist, so zeigen es allein schon die Zahlen, weiterhin sehr lebendig. Immer mehr Menschen aller Generationen finden darin einen angemessenen Ausdruck ihres Glaubens. Im Gehen miteinander wollen sie ihren eigenen Lebensweg als Glaubensweg erfahren.

Viele Pilger berichten davon, dass das gemeinsame Unterwegssein mit Gleichgesinnten f├╝r sie ein Erlebnis von Glaubensgemeinschaft ist, dass sie nicht missen m├Âchten. Im normalen Alltag wird von gl├Ąubiger Weggemeinschaft, von Austausch und Mitteilen wenig sp├╝rbar.

Auf einer Wallfahrt aber kommen viele Erfahrensbereiche zusammen. Die Anstrengung, die M├╝he und Freude, das gemeinsame Essen, Erholung und Ruhe, Beten und Schweigen verbinden sich in einer Weise miteinander, die es sonst kaum gibt. All das tr├Ągt dazu bei, dass die tieferen Schichten des inneren Menschen f├╝r die Begegnung im Glauben ge├Âffnet werden.

Stand fr├╝her deutlicher die Verehrung des Apostels im Vordergrund, so treten derzeit noch eine Reihe anderer Beweggr├╝nde in den Blick. Es ist nicht so sehr die Ankunft in St. Matthias, sondern der ganze Weg ein „Ziel“. Das Geschehen unterwegs macht das Pilgern sinnvoll. Dazu kommen die unterschiedlichen Motive der Einzelnen: Dankbarkeit oder ein wichtiges Anliegen f├╝hren Menschen auf diesen Weg.

Wallfahrten nach Trier:
Wie alles begann

Versuch einer Chronologie Wir wissen heute nicht, wo und wann der heilige Matthias gestorben ist: Nach verschiedenen Legenden soll er in Jud├Ąa wegen seiner Heilungen, Bekehrungen und gelehrten Predigten vom Hohen Rat zum Tode verurteilt, gesteinigt und nach r├Âmischem Brauch mit dem Beil enthauptet worden sein.

Anderen ├ťberlieferungen zufolge soll er in Griechenland oder im Kaukasus oder in ├äthiopien den Glauben verk├╝ndet haben und im Jahr 63 wahrscheinlich in ├äthiopien zuerst halbtot gesteinigt, dann mit dem Beil erschlagen worden sein.

Einer weiteren ├ťberlieferung (den sog. Acta Andreae) zufolge soll ihn nach vor├╝bergehender Blendung und wunderbarer Wiedererlangung des Augenlichts der Apostel Andreas aus den H├Ąnden von Menschenfressern gerettet haben, so dass er eines friedlichen Todes starb.

Wir wissen auch nicht genau, wann die ersten Verk├╝nder des Christentums nach Trier gekommen sind. Wir wissen aber, dass sie sich inmitten eines r├Âmischen Gr├Ąberfeldes im S├╝den der Stadt unmittelbar an der R├Âmerstra├če in Richtung Metz und Marseille niederlie├čen, also dort, wo heute die Abtei von St. Matthias steht.

Der ├ťberlieferung nach gew├Ąhrte die vornehme Senatorenwitwe Albana diesen ersten Glaubensboten im Moselland gro├čz├╝gige Gastfreundschaft, indem sie ihnen ihr Haus als Wohnstatt und Kirche zur Verf├╝gung stellte. Daraus entstand die erste, dem hl. Johannes geweihte Kirche. Von hier aus verk├╝ndeten sie den neuen Glauben unter den noch stark dem Heidentum anh├Ąngenden Mitmenschen.

Alten Quellen zufolge war der erste Bischof von Trier der heilige Eucharius. Sein Wirken f├Ąllt circa in die Mitte des 3. Jahrhunderts. Der heilige Gregor von Tours (538/539-594) bezeichnete 300 Jahre sp├Ąter den hl. Eucharius als „Besch├╝tzer der Stadt Trier vor einer Pestepidemie“ und wei├č zu berichten, dass Eucharius selbst noch ein Sch├╝ler von Petrus gewesen sei, der ihn gemeinsam mit dem heiligen Maternus als Glaubensboten nach Gallien geschickt habe, was zeitlich jedoch recht fragw├╝rdig sein d├╝rfte.

Fest steht aber, dass Maternus als erster geschichtlich bezeugter Bischof von K├Âln (Civitas Agrippinensium) in den Jahren 313 und 314 als Konzilsteilnehmer in Rom und Arles erw├Ąhnt wird. Er soll ebenfalls Bischof von Trier und Gr├╝ndungsbischof von Tongeren gewesen sein. Er verstarb um 328 vermutlich in Trier und soll dort auch seine letzte Ruhest├Ątte haben.

Zeitgleich mit dem heiligen Maternus lebte auch die heilige Helena (248/250~329), die wir als r├Âmische Kaisergattin und Mutter von Konstantin dem Gro├čen kennen. Im Gegensatz zu ihrem Mann Constantius Chlorus (er war r├Âmischer Kaiser im Rahmen der Tetrarchie) lie├č Helena sich taufen. Sie veranlasste Grabungen in Jerusalem, die unter anderem durch die Auffindung der Reste des wahren Kreuzes und des Ortes des Heiligen Grabes gekr├Ânt wurden.

├ťber dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle lie├čen Helena und ihr Sohn Konstantin eine Basilika errichten, die wir als Grabeskirche kennen. Auch die Geburtskirche in Betlehem und die sp├Ąter zerst├Ârte Eleona-Basilika auf dem ├ľlberg gehen auf Helena zur├╝ck. Die heilige Helena ist auch die Gr├╝nderin vieler anderer Kirchenbauten in und um Jerusalem, sowie in anderen Orten. Genau dieser heiligen Helena schreibt nun die ├ťberlieferung zu, dass sie auch in den Besitz der Gebeine des hl. Matthias gekommen sein soll, dessen Tod zu diesem Zeitpunkt bereits etwa zweieinhalb Jahrhunderte zur├╝ck lag.

Danach gehen die ├ťberlieferungen etwas auseinander. Ein Teil der Quellen behauptet, dass Helena die Gebeine nach Rom holte und in der Kirche Santa Maria Maggiore beisetzen lie├č. Von dort soll dann ein Teil der Matthias-Reliquien vom Trierer Bischof Agritius als Geschenk der Kaiserin Helena nach deren Lieblingsstadt Trier in die Kirche des hl. Eucharius gebracht worden sein.

Merkw├╝rdig an dieser Fassung ist allerdings der Umstand, dass Papst Liberius den Auftrag zur Grundsteinlegung dieser Kirche erst etwa 20 Jahre nach Helenas Tod von den Gottesmutter Maria pers├Ânlich bekommen haben soll (wohl am 5.8.352).

Andere Quellen besagen deshalb auch nur, dass Helena den [kompletten] „Leichnam“ des Heiligen direkt nach Trier bringen lie├č. An dieser Fassung ist merkw├╝rdig, dass sich in der Abtei Santa Giustina in Padua noch immer eine gro├če Matthias-Reliquie befindet (der „Leichnam“ in Trier kann also eigentlich nicht komplett angekommen sein) und dass im Jahre 1221 zu allem ├ťberfluss auch noch das „Haupt des Matthias“ in Kobern an der Mosel auftaucht, und zwar als Mitbringsel eines heimgekehrten Kreuzfahrers aus dem Orient (siehe unten).

Soweit die ├ťberlieferung(en) zur ├ťberf├╝hrung der Gebeine des Matthias, die sich auf fr├╝hmittelalterliche Quellen st├╝tzen, die erst im 9. Jahrhundert, also etwa 600 Jahre danach, entstanden. Fest steht aber, dass in Trier ├╝ber dem Grab des Eucharius, des ersten Bischofs von Trier, kurz nach dessen Tod eine Kapelle entstand, in der auch sein Nachfolger Valerius beigesetzt wurde.

Anmerkung: Heute h├Ąlt man den tonnengew├Âlbten Raum mit seiner Apsis direkt unter der achteckigen Quirinus-Kapelle auf dem Friedhof n├Ârdlich der Abteikirche f├╝r die urspr├╝ngliche Gruft des hl. Eucharius. Die Sarkophage beider Bisch├Âfe (Eucharius und Valerius) stehen heute in der Krypta der Abteikirche.

Die Kapelle zur Verehrung dieses Heiligen muss wegen der gro├čen Zahl der herbeistr├Âmenden Pilger schon bald zu klein geworden sein; denn etwa um das Jahr 450 lie├č der Trierer Bischof Cyrillus neben der Cella Eucharii ein gr├Â├čeres Gotteshaus erbauen und dorthin die Gebeine seiner Vorg├Ąnger Eucharius und Valerius ├╝berf├╝hren.

Cyrillus sorgte ebenfalls daf├╝r, dass sich seit dieser Zeit (5. Jahrhundert) um die Kirche herum auch M├Ânche ansiedelten, die 977 – anderen Quellen zufolge bereits im 8. Jahrhundert – die Benediktinerregeln annahmen.

Die von Cyrillus erbaute Kirche fiel wahrscheinlich im Jahre 882 dem Normannenansturm zum Opfer. Ende des 10. Jahrhunderts wurde unter Erzbischof Egbert (977-993) mit dem Neubau eines Gotteshauses begonnen („Egbert-Kirche“), das erst durch Abt Bertulf (1024 bis 1050) fertiggesellt wurde.

Bis zu dieser Zeit (Mitte 11. Jahrhundert) spielte in der Abtei St. Eucharius die alte ├ťberlieferung von den irgendwo versteckten Reliquien des Heiligen Matthias offensichtlich keine gro├če Rolle. Eine besondere Matthias-Verehrung ist bis dahin jedenfalls nicht nachweisbar.

Dann berichten die Quellen, dass Kaiser Heinrich III. von der Reliquien-Legende erfahren haben soll und will nun wissen, was daran ist. Bei Nachforschungen in St. Eucharius sei man dann 1058 auf das Grab gesto├čen (sog. Erste Inventio), habe dem Kaiser einige Reliquien ├╝berlassen, das Grab jedoch wieder verschlossen und – wenn sich alles wirklich so abgespielt hat – offensichtlich auch wieder vergessen.

Knapp 100 Jahre nach der Erbauung der „Egbert-Kirche“, die ebenfalls dem hl. Eucharius geweiht war, beschloss man, die Kirche wieder abzurei├čen und durch eine neue, die heutige Kirche, zu ersetzen.

Im Jahre 1127 geschieht es dann: Ganz ├╝berraschend fand man beim Abriss der alten Kirche einen bleiernen Sarg mit einer Marmortafel und der Inschrift „Der heilige Apostel Matthias“. Das war die Sensation schlechthin! Die Apostelgr├Ąber in Rom, sowie das Apostelgrab in Santiago de Compostela, das sich bereits ein paar Jahrzehnte lang eines zunehmenden Pilgerstroms erfreute, lagen alle weit weg.

Und nun befand sich pl├Âtzlich ein Apostelgrab sozusagen „vor der Haust├╝r“ in der Trierer Abtei St. Eucharius! Das einzige Apostelgrab n├Ârdlich der Alpen! Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und es setzte eine rege Wallfahrtsbewegung nach Trier ein.

Schon bald verdr├Ąngte der Apostelname Matthias auch den Namen des bis dahin einzigen Kirchenpatrons Eucharius, und die Abtei St. Eucharius benannte sich um in St. Matthias.

Am 11. Januar 1148 weihte anl├Ąsslich seines Aufenthaltes in der Abtei St. Matthias Papst Eugen III. in Gegenwart des Erzbischofs Albero und des heiligen Bernhard, begleitet von Kardin├Ąlen, F├╝rsten und ├äbten einen in der Mitte der Kirche stehenden Altar zu Ehren des hl. Kreuzes und der hl. Apostel Matthias und Jakobus. Das Langhaus der Kirche war zu diesem Zeitpunkt noch immer im Bau; es wurde erst 1160 vollendet. Die Abteikirche St. Matthias wurde zur Wallfahrtskirche.

An vielen Orten, besonders am Niederrhein, entstanden nun Bruderschaften, die sich die besondere Verehrung des hl. Matthias zum Ziele setzten und es seitdem als ihre Hauptaufgabe ansehen, einmal im Jahr zum Apostelgrab zu pilgern, an den Gottesdiensten teilzunehmen, eine Wachskerze aufzustellen und Opfergaben darzubringen.

Alle St. Matthias Bruderschaften sind in der Erzbruderschaft St. Matthias zusammengeschlossen, deren Leiter der jeweilige Abt von St. Matthias ist.

Die Tradition der j├Ąhrlichen Matthias-Wallfahrten nach Trier hat sich bis heute erhalten und ist noch immer sehr lebendig. In Sachen Matthias-Reliquien sei hier noch ├╝ber ein Intermezzo berichtet, dass in Kobern, einer alten, kleinen Ortschaft am Unterlauf der Mosel, begann: Dort brachte im Jahre 1221 Heinrich II. von Isenburg-Kobern bei seiner R├╝ckkehr von einem Kreuzzug den Sch├Ądel des Apostels Matthias mit.

F├╝r diese Reliquie baute er oberhalb von Kobern eine wundersch├Âne Kapelle, die heute noch bestens erhalten ist und besichtigt werden kann. Diese Matthiaskapelle z├Ąhlt zu den r├Ątselhaftesten und zugleich reizvollsten Werken sp├Ątstaufischer Baukunst im Mosel-Rhein-Gebiet.

Man kann sich leicht vorstellen, dass diese wertvolle Reliquie nat├╝rlich auch Pilger anzog, und so wurde die Matthiaskapelle in Kobern ebenfalls zu einer Matthias-Wallfahrtsst├Ątte.

Die Geschichte dieser Reliquie, von ihrer Entdeckung und Raub in Unter├Ągypten, ihrer ├ťberf├╝hrung nach Kobern und dortigen Verehrung, stand nat├╝rlich im Konflikt mit der zeitgleichen Verehrung des kompletten Apostelgrabes in Trier, das ein Jahrhundert zuvor dort aufgetaucht war.

M├Âglicherweise stellte der Bau der Matthiaskapelle in Kobern daher eine Protestaktion der Herren von Kobern gegen den Trierer Erzbischof dar.

Umgekehrt w├Ąre es aber auch denkbar, dass der Erzbischof selbst den Bau der Kapelle und die Reliquienverehrung bef├╝rwortete, um die Aposteltradition in seinem Bistum zu festigen.

1354 ging das Haupt des Apostels dann in den Besitz des Erzbistums Trier ├╝ber und gelangte Anfang des 15. Jahrhunderts in den Domschatz.

Nach einer anderen Quelle war die Reliquie zwischen 1362 und 1381 im Besitz des Erzbischofs Kuno von Falkenstein und wurde zun├Ąchst auf der Festung Ehrenbreitstein aufbewahrt.

Danach gelangte sie 1422 nach Trier, wo sie bis 1927 im Dom von Trier aufbewahrt wurde.

Dann wurde sie von Nuntius Pacelli, dem sp├Ąteren Papst Pius XII, feierlich in die Abtei St. Matthias in Trier ├╝berbracht. Mit dem Verlust dieser Reliquie lie├č auch die religi├Âse Bedeutung der Matthiaskapelle in Kobern nach.

Wie bereits oben berichtet, setzte ab 1127 eine rege Wallfahrtsbewegung zur Abtei St. Mattias in Trier ein, die bis heute lebendig geblieben ist und auf eine lange Tradition zur├╝ckblicken kann.

Schlussbemerkung: Die historische Forschung bezweifelt, bzw. bestreitet aus nachvollziehbaren Gr├╝nden das Vorhandensein von Matthiasreliquien in Trier. Dies ├Ąndert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Abtei St. Matthias in Trier zum Zentrum der Verehrung des Apostels Matthias geworden ist.

F├╝r echte Matthiaspilger stellt sich die Frage nach dem Vorhandensein oder der Echtheit von Matthias-Reliquien in Trier schon l├Ąngst nicht mehr; denn:

F├╝r das Erleben einer Wallfahrt ist sie v├Âllig ohne Bedeutung!