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Fr├╝hjahrswallfahrt 2001

Bleib doch bei uns, Herr

Die Pilgergruppe

1. BrudermeisterManfred Abrahams
2. BrudermeisterHeinz Bend
Kreuztr├Ąger
Hans Peters

Teilnehmer der Wallfahrt

Die Teilnehmer der Fr├╝hjahrswallfahrt 2001

NachnameVornameAnzahl Wallfahrten
AbeleR├╝diger5
AbelenHermann-Josef2
AbrahamsJakobine3
AbrahamsManfred7
BeitenNorbert2
BendAxel2
BendHeinz5
BernhardtJohanna10
B├ÂnnenFia9
B├ÂnnenKlaus9
Br├╝ggenPeter-Josef4
Bru├čHildegard7
Bru├čWalter5
B├╝dtsAndrea2
B├╝dtsHedi10
B├╝dtsPeter15
Bu├čler┬á┬áWolfgang16
Deu├čenAnni9
Deu├čenHeinz-Hermann1
FischerFranz-Thomas1
Fu├čbergerGabriele3
Fu├čbergerMarie-Luise3
Gr├╝terKarl-Friedrich4
G├╝ntherElisabeth4
HacksteinRobert3
HeitzerRolf4
HelmigMaria2
IrmenRichard1
KalkanSilvia3
KaltefleiterBeate7
KlinkenFranz17
KreuelsAnke10
KreuelsSusanne15
K├╝stersHans10
LauterbachHans-Willi13
LauterbachHilde4
LeuerManfred3
L├╝pertzHans9
L├╝pertzMia4
L├╝pertzWilli13
MetzerJ├Ârg2
MetzerJosef15
Mewi├čenHanna1
MoersAngelika7
MoersUrsula2
M├╝llerThomas7
NasseUrsula1
NeunzigPatrick1
ObelsAlbert22
PetersJohannes30
PrinzenClaudia3
PrinzenHans-Willi12
PrinzenUlrike2
PustelnySiegfried7
ReinartzRalf2
RindfleischLiesel8
Schmidt-G├╝ntherAngelika3
SchmitzHermann22
SchmitzHermann-Josef26
SchmitzStephan17
SchmitzThomas13
SchnabelInge2
Sch├╝tteKarl-Heinz1
ShahabeddinMelanie2
SiegelHeinz1
SommerHermann-Josef10
StroepenNadine1
StrunkRainer13
TraegerKlaus1
VitzLothar11
WankePetra1
WinzBettina9
WittigLuzi9
WoltersAngela6
ZonsRenate11

Bericht des Brudermeisters

Liebe Matthiasschwestern, liebe Matthiasbr├╝der,

am 19.05.01 feierten wir - 75 Pilgerinnen und Pilger - zu Beginn der Fr├╝hjahrswallfahrt gemeinsam mit unseren Familien, zahlreichen Bekannten und Freunden in der Klosterkirche unter Leitung unseres Pr├Ąses Wolfgang Bu├čler unsere Auszugsmesse. Die Messe wurde musikalisch gestaltet von Mitgliedern des Jugendchors Bettrath - an der Spitze Thomas G├Ârgemanns, der sich ebenfalls wie wir an diesem Tag auf den Weg machte - er zu den Apostelgr├Ąbern des Hl. Petrus und Paulus nach Rom, wir zum Apostelgrab des Hl. Matthias nach Trier.

Nachdem wir uns von den zur├╝ckbleibenden Neuwerkerinnen und Neuwerkern verabschiedet hatten, begannen f├╝r uns 8 Tage Zeit, um neu zu beginnen, 8 Tage Zeit, um uns neu zu besinnen. Aufbruch und Weg war unser Tagesthema. ├ťber Trietenbroich, wo wir uns in der Waldsch├Ąnke st├Ąrkten und uns f├╝r die Nachwelt auf Zelluloid bannen lie├čen, Stessen, Grevenbroich-Laach, wo wir zu Mittag a├čen, entlang der Erft, ├╝ber Bergheim und Kirdorf erreichten wir in guter Stimmung Familie Leuer in Berrendorf. Wie schon bei den ├╝ber 40 vorherigen Treffen konnten wir am ersten Tag unserer Wallfahrt wieder eine besondere Gastfreundschaft genie├čen, die beispiellos ist. Mit dem sich anschlie├čenden kurzen Endspurt bis nach Manheim und Blatzheim ging f├╝r uns der erste Tag zu Ende. Nicht zu vergessen, dass wir in Blatzheim von Frau Wehren wieder einmal bestens betreut wurden.

Nach einer kurzen Nacht – es ging morgens um 5.00 Uhr weiter – erfreuten wir uns im Nachtigallenw├Ąldchen der Natur. An der Wurstkapelle empfingen uns unsere befreundeten Familien Wennmacher, Schillberg und Reinartz (mit Ausnahme von Ralf Reinartz, der selbst einer der 75 war) mit einem wie immer guten Fr├╝hst├╝ck. Als Pilgerinnen und Pilger k├Ânnen wir nur hoffen, dass diese Tradition noch viele, viele Jahre anh├Ąlt und den Familien f├╝r ihren besonderen Einsatz Dank sagen.

├ťber N├Ârvenich pilgerten wir zum Judenfriedhof. Wir erinnerten uns an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und gedachten der sechs Millionen Opfern des Holocaust. Schweigend verlie├čen wir diesen Ort.

In diesen Morgenstunden merkte ich bereits, dass diese – ich durfte schon innerlich sagen – meine Gruppe mich in den kommenden Tagen tragen w├╝rde. Die Gruppe hatte immer mindestens ein Ohr f├╝r mich und machte mir mein Amt als Brudermeister ausgesprochen leicht.

Wohl gest├Ąrkt in Gladbach, begaben wir uns auf eine der Lieblingsstrecken der Pilgerinnen und Pilger – das Z├╝lpicher Feld. ├ťber Z├╝lpich, Merzenich, einer ausgiebigen Mittagspause in Eicks, Mechernich, dem leckeren Kaffee und Kuchen in Eiserfey und mit Texten von Gr├╝n, Bosmans, de Saint-Exup├ęry, H├╝sch u. a. zum Thema Liebe und Freundschaft f├╝hrte uns der Weg nach Weyer. Am sp├Ąten Nachmittag feierten wir in der Kirche – musikalisch begleitet vom Jugendchor Bettrath – unseren Gottesdienst. F├╝r mich ist es jedesmal wieder ein Erlebnis, den Jugendchor in dieser Messe zu h├Âren. Und wie ich auch schon am Ende der Messe gesagt habe, ist die Teilnahme dieses Chors eine Bereicherung f├╝r die Wallfahrt. Auch in Zukunft sollte diese entstandene Freundschaft zwischen der SM – Bruderschaft und dem Jugendchor gepflegt werden.

Der zweite Tag, der gleichzeitig auch den l├Ąngsten Tagesmarsch der Pilgerreise umfa├čt, endete f├╝r uns in Zingsheim bzw. in Engelgau.

Am n├Ąchsten Morgen zeichnete sich der 1. Brudermeister durch eine vor├╝bergehende Orientierungslosigkeit aus. Auf dem Weg zum gemeinsamen Treffen mit den an der Ahekapelle wartenden Pilgerinnen und Pilger, die in Engelgau ├╝bernachtet hatten, zeigte er seiner Gruppe das herrliche Urfttal. Mit einer geringf├╝gigen Versp├Ątung konnten alle 75 Pilgerinnen und Pilger gemeinsam ihre Reise zum Apostelgrab des Hl. Matthias fortsetzen. Ob es am Tagesthema Frieden lag, dass keine Kritik aufkam, sondern lediglich geflachst wurde, muss fast angenommen werden.

Blankenheim, Nonnenbach und Esch hie├čen unsere Stationen, bevor wir am fr├╝hen Nachmittag am Soldatenfriedhof zwischen Esch und Feusdorf gefallenen Soldaten und deren Familien gedachten; insbesondere den Opfern des 2. Weltkrieges am Beispiel eines Neuwerker Schicksals.

Im anschlie├čenden Gottesdienst in Lissendorf stand das Tagesthema Frieden im Mittelpunkt. Mit neuen Kr├Ąften machten wir uns auf den Weg nach Auel. Im Mannschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr wurden wir freundlich vom Ortsvorsteher und von einigen Feuerwehrleuten aufgenommen und weil wir uns so gut geschickt haben, d├╝rfen wir auch in 2002 wiederkommen.

Schnell erreichten wir die Kapelle vor – und von da an beschwingt das Nachtquartier in B├╝desheim. Anstrengung, Ersch├Âpfung, gleicherma├čen aber auch Zufriedenheit und Stolz konnte ich in den Gesichtern meiner Pilgerinnen und Pilger beim Abendgebet sehen – und die alte Pilgerweisheit griff um sich – „Wer in B├╝desheim ist, ist auch bald in Trier“.

Dienstag, 22.05.01. 4.Tag der Wallfahrt. Tag der Kreuze und des Kreuzweges. Das Kreuz f├╝r uns Christen als Symbol der Hinrichtung Jesu, des Todes und der Trauer – aber genauso Zeichen des Lebens, des Friedens und der Liebe, Zeichen der Hoffnung, Erl├Âsung und der Auferstehung.

Nach dem Helenabrunner, dem Korschenbroicher, dem Kleinenbroicher Kreuz und dem Kreuzweg, der von unserem Vorsitzenden Stephan Schmitz vorgebetet wurde, gingen wir zu unserem Neuwerker Kreuz. Wir feierten gemeinsam mit der Gruppe der Wanderexerzitien des Bistums Aachen, einigen Bewohnern aus Wei├čenseifen und Neuheilenbach sowie Neuwerkerinnen und Neuwerkern unsere Eucharistiefeier.

Danach setzten wir unsere Tagesreise fort. Wie immer hervorragend bek├Âstigt und bewirtet im Haus Hubertus, zum kleinen Matthias in Meilbr├╝ck, in Ittel „jov et Heitzer Papp Kook“ und hochgeistige Getr├Ąnke, und dann ging┬┤s z├╝gig in Richtung Burg Ramstein.

Trotz aller Strapazen sp├╝rte ich die Erleichterung in meiner Gruppe, die Vorfreude auf den morgigen Tag und die Gewissheit, zun├Ąchst die schier endlos scheinenden Tagesm├Ąrsche hinter sich gebracht zu haben. Und diese Stimmung sollte auch den weiteren Abend pr├Ągen.

Ziel – so lautete mein Tagesthema am Mittwoch. Als wir nach dem Morgengebet auf dem Burghof Richtung Eifelkreuz aufbrachen, war unsere st├Ąndige Begleiterin, die Sonne, auch schon wieder mit uns unterwegs. Sie hat uns w├Ąhrend der gesamten Wallfahrt nicht im Stich gelassen.

Locker, gel├Âst und gl├╝cklich schafften wir den letzten gro├čen Anstieg vor unserem Ziel – und erreichten das Schusterkreuz. 11 neue Pilgerinnen und Pilger hatten sich mit uns am Samstag auf die Wallfahrt begeben – ohne zu wissen, was sie erwartet. L├Ąngst hatten sie ihre nicht immer einfachen Erfahrungen machen m├╝ssen; bei aller Freude – das ein oder andere Mal, ihre Entscheidung zu pilgern, angezweifelt, wenn nicht gar verflucht. Sie waren am Schusterkreuz l├Ąngst zum festen Bestandteil unserer Gruppe geworden. Und als ich das Vergn├╝gen hatte, sie zu ehren und in die Bruderschaft aufzunehmen, war ich sicherlich mit den Erinnerungen an meine erste Wallfahrt nicht allein.

Danach ging es mit Riesenschritten nach Mattheis.

Und was dann passiert, hat unser Pilgerbruder R├╝diger Abele – dem ich auch deshalb so eng verbunden, weil wir 1995 gemeinsam Erstpilger waren – so treffend in seinem Artikel „Kr├╝z voraan“ in der FAZ beschrieben, dass ich erst gar nicht versuchen m├Âchte, es mit meinen Worten darzustellen, sondern es zitieren:

„Am Samstag schien das Ziel noch weit. Der Weg f├╝hrte entlang von Feldern auf hartem Asphalt und durch W├Ąlder auf federnder Erde. Die F├╝├če, m├Âgen sie im Einklang mit den Beinen auch noch so schmerzen, haben jeden einzelnen vorangebracht, und der Kopf ist so frei, wie er sonst mit allerlei Gedanken randvoll ist. Die Gruppe biegt auf einer Anh├Âhe aus dem Wald: Trier liegt vor ihr. Soviel bebaute Fl├Ąche hat sie seit Tagen nicht gesehen. Zu fr├╝h tost der Verkehr, stinkt die Luft nach Abgasen, muss man sich nach Ampeln richten. W├Ąhrend der verbliebenen Kilometer bis zur Basilika entlang der Mosel wird ein letzter Rosenkranz gebetet. St. Matthias l├Ąsst die Glocken zum freudigen Willkommen l├Ąuten. Da liegt er, zu Stein geworden seit vielen hundert Jahren. Die Pilger knien nieder, begr├╝├čen ihn, bringen ihre Anliegen vor, bedanken sich, ber├╝hren ihn: an seinen F├╝├čen. So ist es alter Brauch, aber nichts w├Ąre auch passender nach diesen Tagen des Marschs.“

Auch ich hatte mein Ziel erreicht. Innerlich wuchs in mir die Stimmung zur Hochstimmung. Ich konnte meine Wallfahrt genie├čen und bemerkte das Gl├╝cksgef├╝hl, das mir auch aus der Gruppe entgegenflog.

Gemeinsam mit vielen Neuwerkerinnen und Neuwerkern, die uns auch beim Einzug herzlich empfangen hatten, nahmen wir gemeinsam mit Bruder Hubert die Ehrung der Neupilgerinnen und Neupilger und der Jubilare vor; mit dem besonderen Jubil├Ąum unseres Kreuztr├Ągers Hans Peters, der zum 30. Mal zum Apostelgrab nach Trier gepilgert war. Am fr├╝hen Nachmittag besannen wir uns in der Krypta, erinnerten uns nochmals der vergangenen Tage. Und wenn ich in den vergangenen Tagen innerlich hin und wieder bedauert hatte, dass die musikalische Begleitung nicht in dem Umfang der vorangehenden Wallfahrten stattgefunden hatte, so erlebte ich umso intensiver und dankbarer die musikalische Darbietung von Claudia, Ulrike, Axel und R├╝diger.

In Trier verbrachten wir den Nachmittag mit unseren Familien, Freunden, Bekannten und einen fr├Âhlichen Abend unter uns. Am n├Ąchsten Morgen – am Tag der Himmelfahrt Christi – empfingen wir auf dem Freihof vor der Basilika unsere 37 Buspilger, die erstmalig unter Leitung von Hiltrud G├╝nner in Trier eintrafen, ebenso herzlich wie unsere vielen wiederum erschienenen Neuwerkerinnen und Neuwerker. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Pilgergruppen und den Br├╝dern der Abtei begingen wir das Festhochamt. Danach wurden noch Erlebnisse der vergangenen Tage und Neuigkeiten aus der Heimat ausgetauscht, bevor wir uns zur Auszugsandacht in der Marienkapelle versammelten. Was lag in diesem Augenblick, an diesem Tag n├Ąher als auf das Thema Heimat und Zuhause einzugehen. Und auch an diesem Tag durfte ich – ohne es zu wissen – mich ├╝ber einen Pilgerchor (Thomas, Peter, Klaus, Norbert, Albert, Hermann, Rolf, R├╝diger, Siggi, Franz) freuen. Geleitet wurde dieser Chor von Thomas „Mucki“ G├Ârgemanns, der uns zwischenzeitlich eingeholt hatte. Er nahm an unserer Auszugsandacht teil, gestaltete sie musikalisch mit. Bevor wir uns bald in Richtung Heimat mit dem Tagesziel Burg Ramstein aufmachten, verabschiedeten wir Mucki, der, wie eingangs gesagt, in s├╝dliche Richtungen weiterzog, um sein diesj├Ąhriges Pilgerziel Rom anzusteuern. Mit dem Neuwerker Heimatlied und „Nach der Heimat“ verlie├čen wir St. Mattheis und Trier.

Auf Burg Ramstein erlebten wir einen Abend, wie er mir immer gut gef├Ąllt. Musikalische Einlagen, ob als Gruppe oder Einzelperson, Examina vor staatlich bestellten Pr├╝fern mit dem Brudermeister als Opfer oder Auswertungen, die interessante Aufschl├╝sse ├╝ber das Gep├Ąck und dessen Gewichte geben, geh├Âren f├╝r mich ebenso zur Wallfahrt wie anspruchsvolle Texte, Gebete, Messen und Rosenkr├Ąnze. Offensichtlich ging es nicht nur mir so, sondern viele von uns hatten Spa├č und Freude an diesem Abend, der f├╝r viele erst am neuen Tag zu Ende ging.

Gemeinschaft hie├č unser Thema am Freitag; letzte Tagesreise auf der Fr├╝hjahrswallfahrt 2001. Mit unsichtbaren Fl├╝geln ausgestattet, in gel├Âster zuweilen heiterer Stimmung, genoss die Gruppe nochmal die Pilgergemeinschaft. Ich sp├╝rte einerseits die Vorfreude auf die R├╝ckkehr und andererseits das Sortieren der Gedanken, das Verarbeiten der letzten Tage und die allm├Ąhliche Vorbereitung auf den Alltag. Ein letzter gemeinsamer Gottesdienst am Neuwerker Kreuz, gemeinschaftlich von Bruder Bernhard, der zu meiner gro├čen Freude extra f├╝r uns aus Trier angereist war, und von unserem geistlichen Beistand Wolfgang Bu├čler gestaltet, danach r├╝ckte die Brudermeisterverabschiedung oberhalb B├╝desheim immer n├Ąher.

Eine f├╝r mich besondere Wallfahrt neigte sich mit der Brudermeisterverabschiedung dem Ende zu. 74 Pilgerinnen und Pilger haben mir ein au├čergew├Âhnliches Erlebnis geschenkt, daf├╝r m├Âchte ich allen herzlich danken.

Die Nacht in B├╝desheim war kurz. Abschied nehmen von B├╝desheim. Ein letzter Rosenkranz entlang der Niers. Abschied nehmen voneinander. Glockengel├Ąut in der Uedding. Erste Familienmitglieder, Freunde und Bekannte an Dreiheister. Empfang an der Marienkapelle durch Kommunionkinder, Me├čdiener, Horst Stra├čburger. Bildstock an der Pfarrkiche – ein letzter Text. Andacht in der Klosterkirche. Ein letztes Mal Neuwerker Heimatlied und „Nach der Heimat“. 8 Tage Zeit, neu zu beginnen, 8 Tage Zeit, sich neu zu besinnen, sind Vergangenheit.

Aber eins war w├Ąhrend dieser Woche in Erf├╝llung gegangen – das Leitwort der Wallfahrt aus dem Emmaus Evangelium: Bleibe bei uns, Herr. Unsere Bitte nach st├Ąndiger Begleitung unseres Herrn ist in diesen Tagen erh├Ârt worden.

„Kr├╝z voraan!“ – Ein Bericht von R├╝diger Abele

Mit jedem Schritt bleibt der Alltag mehr zur├╝ck - Fu├čwallfahrt nach Trier zum Grab des Apostels Matthias - Auf den Spuren einer jahrhundertealten Tradition.

Die F├╝├če brennen. Wie viele Kilometer m├Âgen es bereits sein? Egal, denn noch mehr liegen voraus. Der Aufbruch fand in der vielzitierten Herrgottsfr├╝he statt, um halb sechs, als es noch k├╝hl war und die Sonne gerade eben ├╝ber den Horizont lugte. Nun ist es Samstagnachmittag, steil steht sie am Himmel und heizt den Gehenden geh├Ârig ein. 75 Frauen und M├Ąnner aus M├Ânchengladbach, die J├╝ngste 23 Jahre, der ├älteste 71 Jahre alt, pilgern auf althergebrachte Weise nach Trier an das Grab des Apostels Matthias: zu Fu├č. Schritt f├╝r Schritt geht es voran, nach viereinhalb Tagen soll das Ziel erreicht sein.

Es braucht nur wenige Stunden, um ganz auf dem Weg zu sein. Schon jetzt l├Ąsst das Stechen in den Fu├čsohlen, das Ziehen in den Beinen, der Druck auf fast jedem Lendenwirbel den Menschen in dieser ungewohnten Bewegungsh├Ąufung ganz klein sein unter diesem weiten, rheinischen Firmament. Mit jedem Schritt von zuhause weg tritt der sonst ├╝bliche Alltag in den Hintergrund: Es gibt Dinge, die erscheinen nun unmittelbarer als das, was sonst durch Zw├Ąnge und einen schnellen Takt so viel Bedeutung erheischt.

Der Fluss der Gruppe sp├╝lt Hedi (53) herbei. Man plaudert mehr ├╝ber die Welt als ├╝ber Gott. Sie erz├Ąhlt von ihrer betagten Mutter, deren Pflege sie sich haupts├Ąchlich widmet, von ihrem Vater, der im vergangenen Jahr nach l├Ąngerer Krankheit friedlich in ein anderes Leben hin├╝berglitt. Und wieder einmal wird klar, dass wir vieles in der Hand haben und gern noch mehr in der Hand h├Ątten, aber doch nicht alles greifen k├Ânnen. Man sp├╝rt Hedis Dankbarkeit, dass ihr Bruder f├╝r diese Woche ins Rheinland reiste, um die Mutter zu betreuen, damit sie wieder einmal nach Trier gehen kann: Zum zehnten Mal nimmt sie den Weg auf sich, ihr Mann Peter (54), der gleichfalls in diesem geordneten Get├╝mmel gehender Menschen unterwegs ist, zum f├╝nfzehnten Mal. ├ťber das Gespr├Ąch vergeht die Zeit, an die F├╝├če hat man gar nicht mehr gedacht.

Wenn sich ein Fremder ├╝ber die Wallfahrt erkundigt, fragt er meist als erstes: Wie weit geht ihr denn am Tag? Die schieren Kilometerzahlen — insgesamt gut 200, davon knapp jeweils 50 an den ersten beiden Tagen — sind nur auf den ersten Blick vielsagend. Weil man die Strecke allein kaum so rasch bew├Ąltigen w├╝rde wie in der Gruppe und sie zudem in stetem Rhythmus gut ├╝ber den Tag verteilt wird: Raus im Morgengrauen, der Tag endet mit dem gemeinsamen Abendessen um sieben oder acht Uhr. Das Gep├Ąck rollt erleichternderweise im Begleitfahrzeug mit. ├ťbernachtet wird in den kleinen Orten entlang der Strecke in Privatquartieren und Pensionen.

Die Gruppe hat sich schnell zu einer Weggemeinschaft zusammengefunden und hilft sich durch die Tiefen, die jeder durchwandert, wenn die F├╝├če nicht mehr wollen, sich aber noch nicht ausruhen d├╝rfen, weil es immer weiter geht. Mehrmals am Tag ist es ein Rosenkranz, der ablenkt und fast versunken in diesem mediativen Gebet ein Wegst├╝ck bew├Ąltigen hilft. Doch es wird ja nicht ununterbrochen gebetet, und so sind es mehr die Gespr├Ąche miteinander, die in einer so gro├čen Gruppe naturgem├Ą├č vielf├Ąltig sind und oft einen Lebensnerv treffen, weil das Vertrauen untereinander sehr gro├č ist und man viel Zeit zum Reden hat. Oder die Volkslieder, die so wunderbar zur durchwanderten Landschaft in Rheinland und Eifel passen. Und dann ist da noch der rheinische Humor, der sich Gott sei Dank auch auf dieser dennoch sehr ernsthaften Glaubensveranstaltung nicht unterdr├╝cken l├Ąsst. Er macht vor Wolfgang (55) nicht Halt, dem mitpilgernden Priester: Auf wohl kaum einer Veranstaltung werde so viel geflunkert wie hier, hei├čt es an einem Abend, da habe er im Beichtstuhl wohl in den kommenden Wochen m├Ąchtig zu tun. Das niederrheinische Plattdeutsch dr├╝ckt solche Sticheleien viel pr├Ągnanter und doch herzlich aus, wer es versteht, dem vergeht das Lachen w├Ąhrend dieser Tage fast nur beim Beten oder w├Ąhrend eines ernsten Zwiegespr├Ąchs. L├Ąngst ist die Mundart daheim etwas in den Hintergrund getreten, doch „op Trier“ wird sie noch sehr h├Ąufig so richtig aus dem Bauch gesprochen.

Manfred (43) versammelt die Gruppe um sich. Er ist in diesem Jahr Erster Brudermeister, somit f├╝r die Durchf├╝hrung und Ausgestaltung der Wallfahrt zust├Ąndig. Die ersten Tage vergingen rasch. F├╝r jeden w├Ąhlte Manfred ein Leitwort und zum Nachdenken anregende Texte aus: „Liebe und Freundschaft“ lautete es heute, am Sonntag, und er liest die Passage von Saint-Exup├ęry vor, in welcher der Fuchs dem kleinen Prinzen das Z├Ąhmen erkl├Ąrt. „Du bist zeitlebens f├╝r das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist f├╝r deine Rose verantwortlich.“ Manfred schl├Ągt das Buch zu. Einen Moment steht die Gruppe still zusammen. Dieser Text und auch alle anderen in diesen Tagen k├Ânnen ihre Wirkung ganz entfalten: Ohne Ablenkung treffen sie ins Herz und regen zum Nachdenken an. „Kr├╝z voraan“, spricht Manfred in der heimatlichen Mundart, und Kreuztr├Ąger Hans geht voraus. Die Gruppe formt sich dahinter zum gleichm├Ą├čigen Zug.

F├╝r Hans (64) ist es in diesem Jahr eine besondere Wallfahrt. Zum drei├čigsten Mal ist er auf diesem traditionsreichen Weg dabei, 1972 das erste Mal, 1983 war er Brudermeister. Der Grund seines Mitgehens mag in jedem Jahr ein anderer gewesen sein. Gewiss hat jeder Teilnehmer seine eigenen Anliegen an den Schutzheiligen Matthias, der ihm Motivation f├╝r einen Weg gibt, dessen Basis wiederum der Glaube ist — die meisten Teilnehmer d├╝rften katholisch sein, doch danach fragt keiner. Und quasi nebenbei erschlie├čt sich in der Gemeinschaft und durchwanderten Natur auch noch ein guter Teil von Gottes Sch├Âpfung: Hier wird Glaube gelebt und nicht gepredigt. Und Hans sagt, was er wohl in jedem Jahr auf die Frage antwortete, ob er noch einmal mitgeht: „Mal sehen.“

Patrick (32) h├Ąlt sich da noch mehr zur├╝ck. F├╝r ihn ist es das erste Mal. Am Sonntagabend schimpfte er abends im Quartier noch wie ein Rohrspatz und hatte sogar den Gedanken, die Wallfahrt abzubrechen, weil er als durchtrainierter Sportler solch stetiges Vorw├Ąrtskommen bisher nicht mit so einer Anstrengung und dicken Blasen an den F├╝├čen verband. Doch heute, am Dienstag und damit einen Tag vor der Ankunft in Trier, ist ihm angesichts all der anderen Erfahrungen diese Erinnerung fast peinlich. Was sie beileibe nicht sein muss: Fast jeder untersch├Ątzt beim ersten Mal die Anstrengung, die lange Tagesetappen auferlegen.

Schon seit ├╝ber 850 Jahren pilgern Frauen und M├Ąnner vor allem in den Wochen um Pfingsten an das Apostelgrab des Matthias nach Trier. Die alten Chroniken der Benediktinerabei St. Matthias verzeichnen Wallfahrer aus allen Himmelsrichtungen und Entfernungen. Seit dem 16. und 17. Jahrhundert ist der Einzugsbereich stabil: Die meisten Pilger kommen aus der Umgebung von Trier, aus der Eifel, Luxemburg, dem K├Âln-Bonner Raum, dem Westerwald und vom Niederrhein. ├ťberall dort gibt es St.-Matthias-Bruderschaften, die allj├Ąhrlich den gro├čen Gang organisieren. In M├Ânchengladbach bestehen gleich mehrere Bruderschaften, wir sind unterwegs mit der aus der 1820 gegr├╝ndeten aus den Ortsteilen Bettrath, Neuwerk und Uedding.

Am Samstag erschien das Ziel noch weit. Der Weg f├╝hrte entlang von Feldern auf hartem Asphalt und durch W├Ąlder auf federnder Erde. Die F├╝├če, m├Âgen sie im Einklang mit den Beinen auch noch so schmerzen, haben jeden einzelnen vorangebracht, und der Kopf ist so frei, wie er sonst mit allerlei Gedanken randvoll ist. Die Gruppe biegt auf einer Anh├Âhe aus dem Wald: Trier liegt vor ihr. Soviel bebaute Fl├Ąche hat sie seit Tagen nicht gesehen. Zu fr├╝h tost der Verkehr, stinkt die Luft nach Abgasen, muss man sich nach Ampeln richten. W├Ąhrend der verbliebenen Kilometer zur Basilika entlang der Mosel wird ein letzter Rosenkranz gebetet. St. Matthias l├Ąsst die Glocken zum freudigen Willkommen l├Ąuten. Da liegt er, zu Stein geworden seit vielen hundert Jahren. Die Pilger knien nieder, begr├╝├čen ihn, bringen ihre Anliegen vor, bedanken sich, ber├╝hren ihn: an seinen F├╝├čen. So ist es alter Brauch, aber nichts w├Ąre auch passender nach diesen Tagen des Marschs. Manfred hat es geschafft und die Gruppe heil nach Trier gef├╝hrt. Aus den offenen Gesichtern spricht Freude ├╝ber die gute Zeit. Dank fliegt ihm zu — der ehrbare Lohn f├╝r ein Jahr Vorbereitungszeit. Und nicht nur Patrick geht trotz der Blasen an den F├╝├čen wie auf Wolken.

Wallfahrtsbilder

Wallfahrtstexte