Wallfahren

Pilgern und Wallfahren:
Eine Begriffsbestimmung

Das Wort Pilgern leitet sich vom Lateinischen ab. Geht man der Herkunft des Wortes nach, dann findet man:


peregrinus für fremd, ausländisch, nicht sesshaft
peregrina,-ae für Fremde/r, Nichtbürger/in
peregrinare,-o durchwandern
peregrinari,-or in der Fremde weilen, sich als Fremdling aufhalten
peregrinaria ist fern weilen von
peregrinatio ist Aufenthalt im Ausland, Wanderung
peregreals Adverb ist im Ausland, in der Fremde

Gegen Ende der Völkerwanderungszeit bekommt peregrinari, preregrinatio auch die Bedeutung von Wallfahren und Pilgern.

Im Italienischen wandelt sich das Wort zu pelegrinare, im Englischen zu pilgrim und im Deutschen zu pilgern.

Die Wurzeln des Wortes Wallfahren reichen ebenfalls sehr weit zurück.

Mittelhochdeutsch heißt es wallen,
althochdeutsch wallon,
altenglisch weallian
und bedeutet ursprünglich wandern, umherschweifen,
reisen, von Ort zu Ort ziehen.

Im 13. Jahrhundert wird vallevart meist im Sinne von Pilgern benutzt.

Im 16. Jahrhundert wird wallfahren gebraucht, weil die Fortbewegung nun auch mittels Schiff und Kutsche erfolgen kann. Hier nimmt das Wort Wallfahren vollends die Bedeutung von Pilgern an.

(Sinngemäß entnommen aus den Internetseiten des Jakobuspilgers Maximilian Bogner aus Rosenheim unter Spiritualität des Pilgerns).

In der freien Enzyklopädie Wikipedia findet man für Pilger und Wallfahrer die folgende Erläuterung:

Pilger stammt vom lateinischen Wort peregrinus ab, was Fremdling bedeutet.

Im Kirchenlatein als pelegrinus abgewandelt, bezeichnet es eine Person, die aus religiösen Gründen in die Fremde geht, zumeist eine Wallfahrt zu einem Pilgerort unternimmt, zu Fuß oder unter Verwendung eines Verkehrsmittels.

Der Anlass kann eine auferlegte Buße sein und das Bemühen, einen Sündenablass zu erhalten, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder Abstattung von Dank.

Ziel ist meist ein als heilig betrachteter Ort, etwa eine Wallfahrtskirche, ein Tempel, ein Baumheiligtum usw.

Wer mehr darüber nachlesen möchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel. Dort werden unter anderem auch noch die folgenden Themenkreise behandelt:

Wallfahrtsorte der Antike
Christliche Pilger in Spätantike und Mittelalter
Pilger und Reformation
Pilger der Neuzeit

Das Thema Wallfahrten beginnt in Wikipedia sinngemäß mit folgender Einleitung / Definition:

Ganz allgemein ist eine Wallfahrt (lat. peregrinatio religiosa, von wallen, in eine bestimmte Richtung ziehen, fahren unterwegs sein) ist eine traditionelle Reise zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung oder um ein heiliges Gebot zu erfüllen. Sie wird auch als Pilgerreise, Pilgerfahrt, Betfahrt und im Islam als Hadsch oder Ziaret bezeichnet.

Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie geht zurück auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten.

Eine Wallfahrt war und ist immer auch ein soziales Ereignis, sie führt zu Begegnungen und Austausch zwischen Gläubigen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten.

Wer mehr darüber nachlesen möchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel. Dort werden unter anderem auch noch die folgenden Themenkreise behandelt:

Pilgerfeste des Judentums
Wallfahrtsbräuche im Christentum
Wallfahrten im Islam
Wallfahrten in anderen Religionen

Interessant ist auch die Feststellung:

Auch auf den säkularen Bereich hat sich der religiöse Begriff ausgedehnt. So spricht man in der Presse davon, dass beispielsweise Fans von Elvis Presley zur andächtigen Besichtigung seines Hauses Graceland in Memphis (Tennessee, USA) wallfahren.

Unter Pilgerweg findet man in Wikipedia folgende Erklärung:

Ein Pilgerweg ist die Reisestrecke, die Pilger auf einer Wallfahrt zurücklegen, um an das Ziel – meist ein heiliger Ort – zu gelangen.

Alle großen Religionen der Welt kennen Pilgerwege und Pilgerorte.

Diese Orte können Ortschaften sein, wie Jerusalem, Rom, Santiago, Lourdes, Einsiedeln, aber auch bestimmte Punkte einer Landschaft wie ein Berg, eine Quelle, ein Brunnen, eine Höhle oder ein Heiligtum.

Auf dem Weg gibt es Stationen des Innehaltens, an denen Gebete gesprochen oder Gottesdienste gefeiert werden können.

Wer mehr darüber nachlesen möchte, gelangt hier zum Wikipedia-Artikel.

Sich auf den Weg machen

Auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsorte im nordwestdeutschen Raum findet sich ein sehr guter Einstieg in das Thema Wallfahren, bestens geeignet für alle Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Wallfahrt mitzumachen oder zu organisieren, und diesbezüglich noch nach Argumenten, Anregungen und Informationen suchen.


Wer sich auf den Weg macht – Gedanken zur Wallfahrt

Das Thema Wallfahrt ist zeitlos: so alt wie die Erlebnisse des Volkes Israel in der Wüste – und so aktuell wie die Gefühle Jugendlicher, die nach mehrtägigem Fußweg vor einem unscheinbaren Gnadenbild stehen. Wallfahrer denken über ihr Leben nach, sie bitten und danken, schweigen Pilger aus Neuwerk bei einer Besinnung unterhalb der Genovevahöhle und erzählen, beten und singen. Sie suchen Gottes Melodie in ihrem Leben – und begeben damit sich selbst auf die Spur, und das ist immer ein kleines Abenteuer. So etwas gibt es nicht im Reisebüro. Wer sich auf den Weg macht, lebt für einen Tag oder eine Woche bewusster. Und kehrt verändert nach Hause zurück.

Zu Fuß unterwegs

Der klassische Wallfahrer benutzt seine Füße. Er setzt sich Sonne und Regen aus, bevorzugt abgelegene Wege und kommt doch um die verkehrsreichsten Straßen nicht herum. Er ist unterwegs in einer Gruppe Gleichgesinnter – in der Gemeinschaft stützt man sich gegenseitig und kommt miteinander ans Ziel. Darin ist die Wallfahrt ein Bild der Kirche: Wir sind nicht allein. Wir sind miteinander auf dem Weg. Diese Erfahrung macht Mut.

Erbsensuppe statt Drei-Gänge-Menu

Wallfahrer theoretisieren nicht. Sie tun etwas Konkretes. Dazu gehören frühes Aufstehen, mancher Verzicht auf Annehmlichkeiten und oft Blasen an den Füßen. Ich werde mitgenommen, oder ich nehme andere mit – das ist Anlass genug, damit geht es los. Zu einem Ort, unspektakulär, abseits der selbsternannten Zentren. Zu einer Erfahrung von Religion, wie wir sie nur noch selten erleben: zum Greifen nah. Wer mitmacht, erlebt: Der andere betet auch so wie ich. Mehr noch, er spürt: Kirche, das bin ich. Gott, das ist für niemanden eine einfache Formel. Beten, das hat mit Spontaneität und Phantasie zu tun.

Jede Wallfahrt ist eine Demonstration

Wer vom Straßenrand zuschaut, spürt: Da widersetzen sich Menschen dem Strom. Die lassen sich den Glauben etwas wert sein. Sie tragen ein Kreuz bei sich, keine Parolen. Wallfahrtsorte laden ein zu Besinnung und Gebet, zur Erfahrung von lebendiger Kirche und zu der Hoffnung, dass wir am Ende unseres Lebensweges tatsächlich „nach Hause kommen“. Es gibt sie, diese Orte und Oasen, an denen Gott den Menschen besonders nahe ist. Wundert es Sie, dass dies auch die Menschen, die sich dorthin miteinander auf dem Weg machen, verändert?

Der nächste Wallfahrtsort ist näher, als man denkt

Wer pilgert, reist mit leichtem Gepäck. Und auch eine sorgfältig vorbereitete und durchgeführte Tagesfahrt kann ein großes Erlebnis sein. Ob Rom oder ein hiesiger Wallfahrtsort, ist weniger eine Frage des Geldes. Es gilt zu entscheiden, was mir persönlich möglich ist. Für die Planung ist wichtig: Wieviel Zeit wollen Sie sich nehmen? Handelt es sich um jüngere oder ältere Menschen? Reisen Sie mit dem Zug, per Bus oder mit dem Auto – oder eben zu Fuß? Alle Religionen haben ihre Wallfahrtsorte, an denen man dem göttlichen Bereich begegnet, angefangen im Erlebnis unseres Vaters Jakob mit dem Traum der Himmelsleiter. Und er stellt fest: So nah war mit Gott, und ich wusste es nicht. So haben wir noch heute Jerusalem oder Santiago de Compostela, unsere Marienwallfahrtsorte, die Wallfahrtsorte zum Hl. Kreuz oder zu den Heiligen.

Wer singt, betet doppelt

Für die Vorbereitung gilt: Sie können alles selber machen, zum Beispiel Lieder und Texte aussuchen oder den Gottesdienst vorbereiten, müssen aber nicht. Ein einfaches Beispiel: Sie legen die Route sorgfältig fest und planen drei oder vier „Unterbrechungen“ ein. Zeit für ein selbstformuliertes Gebet, ein gemeinsames Lied oder die Betrachtung eines Wegekreuzes. Die Wallfahrtsleitung vor Ort gibt Ihnen gerne ausführliche Informationen und Hilfen. Hier melden Sie auch Ihre Gruppe an, erfahren die Möglichkeiten zur Mitfeier der Gottesdienste, der Betreuung vor Ort und der Übernachtung.

Stillwerden, staunen, hinhören

Haben Sie den Mut zu improvisieren. Wunder geschehen, wo Menschen zusammen beten, schweigen und miteinander ins Gespräch kommen. Das lässt sich nicht exakt vorher planen. In den Beichtkapellen geschehen noch heute täglich Wunder. Denken Sie bei der Kostengestaltung auch an Jugendliche, kinderreiche Familien und Minderbemittelte.

Bleibt noch eine letzte Frage: Ist eine Wallfahrt Urlaub?
Antwort: Für die Seele JA.


Die obenstehenden Gedanken zur Wallfahrt wurden den Internetseiten Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsorte im nordwestdeutschen Raum entnommen.

Der Vorsitzende dieser Arbeitsgemeinschaft ist Monsignore Dr. Egon Mielenbrink, Verfasser des Buches Beten mit den Füßen.
Zu diesem Buch erschien von Bernhard Eckerstorfer OSB in der Rubrik lesenswerte Bücher eine Buchbesprechung, in der er sich unter anderem auch mit dem häufigsten Einwand gegen Wallfahrten beschäftigt.

Bernhard Eckerstorfer schreibt hierzu:

Der häufigste Einwand gegen Wallfahrten lautet, dass Gott doch nicht nur auf einigen Hügeln wohnt und beileibe nicht unsere Schinderei braucht, um uns nahe zu sein. Tatsächlich ist Gott im Alltag kein anderer und nicht mehr versteckt als in einer Wallfahrtskirche. Dieses Buch hat mir aber erneut bewusst gemacht, dass wir auf einer Wallfahrt oft andere sind, dass wir im Unterwegssein offener werden und so manches an einem von Gebeten geprägten Ort anders sehen und verstehen. Wenn wir bewusst auf Gott hin unterwegs sind, werden wir andere. Da genügt es eben nicht immer, nur in Gedanken bei ihm zu sein; Gott will uns mit Haut und Haaren, und Wallfahrten können uns helfen, dass wir mit Leib und Seele auf Ihn zusteuern.

Vielleicht ist dieses „ganzheitliche“ Verständnis vom Menschen auch der Grund, warum heute Jugendliche und der Kirche Fernstehende gerade durch Wallfahrten das Christentum und die Kirche in neuer Strahlkraft und mit neuem Geschmack erleben dürfen. So kann nicht selten die Wallfahrt zum Aufbruch in ein neues Glaubensleben werden.

Gedanken zur Wallfahrt (nach Trier)

Gedanken zur Wallfahrt unseres ehemaligen Pilgerpfarrers Hubert Wachendorf OSB aus Trier:


Die in den langen Jahrhunderten gewachsene Wallfahrt ist auch heute noch sehr lebendig. Jährlich kommen in über 140 Gruppen Pilger aller Generationen nach St. Matthias, wobei die meisten mindestens drei bis vier Tage bis Trier unterwegs sind. Viele gehen den Weg auch zu Fuß nach Hause zurück. Da kommen leicht bis zu 300 Km und mehr zusammen.

Ein Teil dieser Gruppen kann auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken, ungefähr ein Drittel davon ist in den letzten Jahren neu entstanden. Die Pilger kommen zum überwiegenden Teil aus den Bistümern Köln, Aachen und Trier. Die meisten kommen aus der Umgebung von Mönchengladbach, Neuss und Krefeld.

Andere stammen aus dem Raum Aachen, Jülich, Köln, Bonn und der Eifel. Pfarreien aus der näheren Umgebung von Trier kennen eine Tradition von Tages- oder Nachtwallfahrten. Jede Wallfahrt hat ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Tradition. Das gilt nicht nur für die Bruderschaften, die seit Jahrhunderten den Weg nach Trier gehen.

Der größte Teil der Gruppen erreicht St. Matthias in den beiden Wochen vor oder nach Pfingsten. Diese Hauptwallfahrtszeit, die sich um das Fest der Wahl des Apostels (Samstag nach Christi Himmelfahrt) gruppiert, findet im Herbst eine kleine Fortsetzung.

Lebensweg als Glaubensweg

Das Interesse an der Pilgerbewegung ist, so zeigen es allein schon die Zahlen, weiterhin sehr lebendig. Immer mehr Menschen aller Generationen finden darin einen angemessenen Ausdruck ihres Glaubens. Im Gehen miteinander wollen sie ihren eigenen Lebensweg als Glaubensweg erfahren.

Viele Pilger berichten davon, dass das gemeinsame Unterwegssein mit Gleichgesinnten für sie ein Erlebnis von Glaubensgemeinschaft ist, dass sie nicht missen möchten. Im normalen Alltag wird von gläubiger Weggemeinschaft, von Austausch und Mitteilen wenig spürbar.

Auf einer Wallfahrt aber kommen viele Erfahrensbereiche zusammen. Die Anstrengung, die Mühe und Freude, das gemeinsame Essen, Erholung und Ruhe, Beten und Schweigen verbinden sich in einer Weise miteinander, die es sonst kaum gibt. All das trägt dazu bei, dass die tieferen Schichten des inneren Menschen für die Begegnung im Glauben geöffnet werden.

Stand früher deutlicher die Verehrung des Apostels im Vordergrund, so treten derzeit noch eine Reihe anderer Beweggründe in den Blick. Es ist nicht so sehr die Ankunft in St. Matthias, sondern der ganze Weg ein „Ziel“. Das Geschehen unterwegs macht das Pilgern sinnvoll. Dazu kommen die unterschiedlichen Motive der Einzelnen: Dankbarkeit oder ein wichtiges Anliegen führen Menschen auf diesen Weg.